Neuer Umgang mit Noten

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Mit dem Fernunterricht vermischen digitale und pädagogische Themen immer mehr. Die Beurteilung mit Noten zeigt ihre Schwächen (der Kanton Zürich erlässt die Zeugnisnoten für dieses Corona-Semester) und wird kontrovers diskutiert. Ein anderer Umgang mit Noten könnte einiges an Entspannung in die Schulen bringen. Ich selbst habe bereits ein Jahr damit gearbeitet und war sehr angetan von den positiven Effekten.

Zeugnisnoten

Zeugnisnoten drücken die Gesamtbeurteilung der schulischen Leistung von Lernenden in einem Fach während eines Semesters aus. Herkömmlicherweise wird jede Prüfung benotet. Bei diesem Vorgehen konnte ich sehr häufig die folgenden Effekte beobachten:

  • Zeugnisnoten widerspiegeln die Gesamtleistung eines Lernenden und variieren von Zeugnis zu Zeugnis in der Regel nicht mehr als eine halbe Note.
  • Noten können zu einem Konkurrenzkampf führen, der selten anspornend, häufiger frustrierend für die Lernenden sein kann.
  • Lernende neigen dazu sich in der Schule nur noch für Noten einzusetzen („Kommt das an der Prüfung?“).
  • Lernende mit Noten unter 5 freuen sich selten und zeigen ihre Leistungen oft ungerne zu Hause, wo vor allem über die Noten gesprochen wird.

Notenplanungen

Inspiriert vom Handycap im Golf wollte ich diese Effekte mildern und habe dazu das System der Notenplanungen entwickelt (natürlich nicht als einziger und erster, ein Beispiel hier hinter der Paywall des Tagi).

Notenplanung mit Lernenden, Eltern und Lehrpersonen

Zu Beginn der Sekundarschule (nach ca. 4-6 Wochen) fand ein Treffen zur Notenplanung mit den Schülern und Eltern statt. Hier wurden die Leistungen der Primarstufe angeschaut und gemeinsam Zielnoten für das erste Semester vereinbart. Auch hier hilft die Tatsache, dass sich die Gesamtbeurteilung in einem Fach meistens nicht durch den Stufenwechsel auf den Kopf stellt.

Ab dem zweiten Semester wurden die Notenvereinbarungen zu Semesterbeginn zwischen Lehrpersonen und Lernenden getroffen, die Eltern konnten sich ein Gespräch wünschen. Diese Option wurde nicht häufiger wahrgenommen, als dies bei herkömmlicher Notengebung der Fall ist.

Beispiel einer Notenplanung

Noten während des Semesters

Während des Semesters fanden wie immer Kompetenznachweise (Prüfungen) statt, welche von mir korrigiert wurden. Diese habe ich wie üblich ins Lehreroffice eingetragen. Kommuniziert wurde diese Note jedoch nicht. Für die Lernenden habe ich folgendes Feedbacksystem verwendet:

++ Übertrifft die Zielvereinbarung
+ Auf Kurs zur vereinbarten Noten
+/- knapp auf Kurs, es braucht eine Steigerung
Nicht auf Kurs zur vereinbarten Note

Als Entlastung für alle wurde kommuniziert, dass eine Zielnote nicht mehr als um eine halbe Note von der Zielnote abweicht (und falls doch gibt es in der Regel weitere Themen, die besprochen werden müssen). Die Zeugnisnote wird also maximal eine halbe Note unter die vereinbarten Note fallen. Nach oben gilt diese Vereinbarung grundsätzlich auch, doch bisher hat sich niemand über eine Ausnahme beschwert.

Prüfungskopf mit Gesamtbeurteilung statt Noten

In der Praxis

Die Effekte in der Unterrichtspraxis habe ich als sehr erfreulich wahrgenommen. Schülerinnen und Schüler konnten sich nun auf verschiedensten Leistungsniveaus vergleichen ohne zu konkurrieren. Schwächere Lernende konnten sich genau gleich über persönliche Erfolge freuen wie die starken. Es half mir enorm Erwartungen zu relativieren. Wer eine 4 geplant hat, darf mit einem + wirklich und ehrlich zufrieden sein und sich nicht immer ein „genügend“ von Lehrpersonen und Eltern spüren. Und gemäss Feedback der Jugendlichen waren die Gespräche zu Hause viel angenehmer, da sich der Fokus auf die persönliche Leistungsfähigkeit verlagerte.

Der nette Nebeneffekt

Auch in Ausnahmesituationen, beispielsweise bei längeren krankheitsbedingten Abwesenheiten oder globalen Pandemien wäre die Notengebung weiterhin möglich und sinnvoll. Denn ich finde auch in der Schule sollte doch der Grundsatz gelten: Im Zweifelsfall für den Jugendlichen!

3 Kommentare

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