Zum Schluss ein Anfang

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Seit dem Lockdown sind die Zugriffszahlen auf diesen Blog trotz meiner Inaktivität geradezu explodiert. Vielen Dank an dieser Stelle für die vielen Zugriffe, Empfehlungen und Kommentare. Nach einem Jahr Auszeit mit meiner Familie beginne ich am Montag meine neue Stelle als Co-Schulleiter im Schulhaus In der Höh in Volketswil. Gerade fühle ich mich gleichermassen nervös und voller Tatendrang. Der kommende Start verstärkt mein Bedürfnis, einen schon lange schwelenden Entschluss in die Tat umzusetzen: das Ende von digitalunterrichten.ch.

Der Versuch einer Erklärung

Vor einigen Jahren leistete mir das SAMR-Modell gute Dienste bei der Argumentation über die Digitalisierung an den Schulen und in Diskussionen und Schulungen mit Lehrpersonen.

Wenn ich mir meinen Blog durchforste, bekomme ich den Eindruck, als hätte ich diese vier Stufen in den letzten Jahren selbst durchlaufen. Zu Beginn hat sich der digitale Einsatz in meinem Unterricht sehr stark auf die beiden ersten Stufen fokussiert. Ich habe ersetzt (Substitution) und erweitert (Augmentation). Meine Vorstellung von Unterricht, ja von Schule, war stark geprägt von persönlichen Schulerfahrungen und der Ausbildung an der PHZH. Mit fortschreitender Erfahrung beginnen sich die Beiträge in Richtung Umgestaltung des Unterrichts (Modification) zu bewegen, ansatzweise zu neuartigen Lernprozessen (Redefinition).

Äusserst spannend erachte ich, was nun geschah: Ich bloggte nicht mehr. Seltsamerweise hat sich mein Unterricht in eine Richtung entwickelt, in welchem ich keine Gelegenheiten mehr fand für neue Blogbeiträge unter dem Titel digitalunterrichten.ch. Wenige Ausnahmen (Das Paradoxon der Digitalisierung, Der Kampf um Schulnoten, Neuer Umgang mit Noten) deuten an, dass ich mich von meinem Thema immer mehr entfernte.

Wie weiter?

Redefinition – Technik ermöglicht das Erzeugen neuartiger Aufgaben, die zuvor unvorstellbar waren.

SAMR Modell der Digitalisierung

„zuvor unvorstellbar“ drückt sehr passend aus, was auf meinem Weg der digitalen Transformation geschah. Die Kultur der Digitalität hat durchaus nicht an Wichtigkeit in meinem pädagogischen Weltbild eingebüsst. Vielmehr hat sich ein anderes Thema in den Fokus geschoben: das Lernen.

Lernen

Lernen ist das allerwichtigste Gut, das die Volksschule unserer Gesellschaft mitgeben kann. Vielfältig und visionär sind sie, die Ideen, wohin wir uns in den nächsten Jahren entwickeln werden. Nur eines haben alle Zukunftsbilder gemeinsam: die Ungewissheit. Klima, Politik, Globalisierung, Wirtschaft, unsere Gesellschaft entwickeln sich schnell und nicht prognostizierbar. Ich kann mir kein schöneres Szenario vorstellen, als dass unsere Jugend voller Selbstbewusstsein hinstehen kann mit der Gewissheit, alle nötigen Kompetenzen bei Bedarf einfach erlernen zu können.

Das Schöne dabei ist: beim Lernen sind sich alle einig. In der Schule wird gelernt. Wie wir alle wissen, sieht die Umsetzung dieses gemeinsamen Grundsatzes sehr unterschiedlich aus. Ich schlage einen Massstab vor. Sobald die Mehrheit der Volksschulabgänger folgendes von sich sagen kann, haben wir eine Schule, die uns auf diese unbekannte Zukunft vorbereitet:

Ich fühle mich voller Selbstwirksamkeit und Selbstbewusstsein in der Lage, jeden anstehenden Lernprozess aus persönlicher und gemeinsamer Stärke heraus sicher bewältigen und somit jede Herausforderung meistern zu können.

Lernen sichtbar machen

Ich stehe nun wenige Tage voller Demut vor meiner neuen Herausforderung als Schulleiter. Auch wenn ich mir durchaus bewusst bin, dass die Realität der Schule schon viele Träumer auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt hat, so träume ich doch weiter. Ich träume von einer energiegeladenen, gemeinsamen Entwicklung, von einer Schule mit Purpose statt Hierarchie, mit Beziehungen statt Problemkindern, mit ermöglichen statt verhindern. Dafür komme ich zurück an die Volksschule, so möchte ich einen Beitrag an die Gesellschaft leisten, welche mir so vieles gegeben hat.

Danke und Inspiration

Lernprozesse sind meiner Erfahrung nach unendlich viel reichhaltiger, wenn sie gemeinsam gestaltet werden. Mit meiner Frau Sonja und meinen drei Kindern Lia, Nell und Theo lerne ich täglich. In meinem ePortfolio vernetze ich mich mit Andreas Brugger, Andreas Sägesser, Flavia Fries, Michael Weber und profitiere so von direktem Feedback und wertvollen Perspektiven. Sehr stark beeinflusst haben mich vor allem zu Beginn dieser Reise die Bücher von Rolf Arnold und Jesper Juul. Persönlich gestärkt und eine neue Art der Kommunikation zeigten mir Marianne Fischer und Johannes Gasser und Denis Bitterli . Immer wieder digital inspiriert haben mich Lisa Rosa, Fabian Grollimund, Philippe Wampfler, Patrick Breitenbach & Nils Köbel, Margret Rasfeld & Gerald Hüther, Dejan Mihailovic, Philipp Zimmer, Beat Döbeli und noch viele mehr. Mut machen mir die vielen Initiativen und Projekte, die sich für den notwendigen Wandel der Volksschule einsetzen: Glücksschule, Intrinsic Campus, Kosmos Schule, Hochschule für agile Bildung, Educators for future, Schulwandel. Vielen Dank an all die vielen unermüdlichen Mitgestalter einer positiven und gemeinsamen Zukunft.

Vielen Dank auch an alle treuen und gelegentlichen Leser dieses Blog. Wer möchte, wird vermutlich bald wieder von mir lesen;-) Lernt was Schönes!

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