Kompetenzen beurteilen mit Video-Präsentationen

Präsentationen zeigen das Gelernte und fördern verschiedenste Kompetenzen. Leider ist die Durchführung von Präsentationen vor der Klasse sehr zeitaufwendig und muss daher gut dosiert eingesetzt werden. In den Sprachfächern werden Tonaufnahmen schon lange zur Überprüfung von Sprachkompetenzen eingesetzt, dies geht aber auch in anderen Fächern sehr gut mit Video-Präsentationen.

«China und die Globalisierung»

Im Thema Globalisierung, exemplarisch am Land China gezeigt (Vielen Dank Pia für deine grossartige Vorarbeit!) konnte ich diese Technik sehr gut einsetzen. Der erste Teil bestand aus einer „Vorlesung“ mit Präsentation und entsprechendem Handout für Notizen. Anstatt reine Fakten auswendig zu lernen, war mir das Erkennen von Zusammenhängen und Abhängigkeiten ein grosses Anliegen. Dazu mussten die Schülerinnen und Schüler jeweils nach der „Vorlesung“ einen Advanced Organizer führen. Besser bekannt ist der «Advance Organizer» als kognitive Lernhilfe im Voraus. Der Advanced Organizer wird nach den selben formalen Kriterien (nur Begriffe, Grafiken, Pfeile) aufgebaut, soll aber den Wissensaufbau und die Vernetzung des Gelernten zeigen. Die Vorlage sah wie folgt aus, die Arbeit erfolgte ganz analog mit Stift und Papier.

advanced organizer

Vorlage Advanced Organizer «China und die Globalisierung»

 

Mündliche Präsentation

Als Lernkontrolle wollte ich nebst dem Advanced Organizer die Gedanken der Schülerinnen und Schüler hören. Bei 25 Jugendlichen in einer Klasse sprengen mündliche Beurteilungen den zeitlichen Rahmen. Dafür gibt es eine Lösung: Die Schülerinnen und Schüler erstellen ein Video mit Organizer und ihren Erklärungen. Die Resultate waren verblüffend!

Classroom Video Globalisierung

Auftrag Video Globalisierung in Google Classroom

Hier drei technischen Möglichkeiten, die eingesetzt wurden:

Filmen mit dem Smartphone

Mit Stativ oder auch von Hand kann man wunderbar filmen und dazu sprechen. Die Vorgabe war ein Video ohne Schnitt, womit auch diese technische Hürde aus der Welt geschafft wurde. Hier ein sehr gutes Beispiel dieser Technik:

 

 

Alternative Screencast mit Prezi

Die Alternative heisst «Screencast». Dabei wird – wie bei einem Lernvideo – der Bildschirminhalt und die Sprache über das Mikrofon als Video aufgenommen. Dafür gibt es dutzende Tools auf allen Geräten und Systemen. Ich habe den Schülern „Nimbus“ empfohlen, welches sich als Chrome-Erweiterung installieren lässt und somit auf fast jedem Gerät funktioniert. Aufnehmen kann man beispielsweise eine Präsentation mit Fotos des Organizers oder mit dem Onlinetool Prezi.

Die Einführung des für die Schülerinnen und Schüler unbekannte Prezi war eine kurze Sache: „Wer eine Herausforderung möchte kann den Organizer auch mit Prezi erstellen und filmen. Ihr kennt die Effekte, die man damit erstellen kann aus Lernvideos auf Youtube.“. Danach habe ich bis zum fertigen Video nichts mehr gehört (und ich glaube nicht, dass die Eltern helfen konnten). Das Resultat kann sich ebenfalls sehen lassen:

 

 

Papier mit Prezi

Die Idee zur Kombination beider Techniken hatte eine Schülerin. Sie hat ihren Organizer fotografiert und in Prezi eingefügt. Danach musste sie noch die Ausschnitte festlegen und als Screencast aufnehmen:

 

 

Bewertung

Zur Beurteilung und Benotung habe ich einen Kompetenzraster erstellt. Darin wird festgehalten, welche Kompetenzen überprüft werden und wie gut diese erreicht wurden.

Bildschirmfoto 2017-06-19 um 22.13.31.png

Ich streiche mit Leuchtstift die erreichten (Teil-)Kompetenzen an und addiere die erreichten Punkte. Mit der klassischen DBK-Formel bekommt man so eine nachvollziehbare Note.

Stärken und Schwächen

Ich war sehr von den Arbeiten beeindruckt. Hätte ich einen klassischen Test mit Fragen und Antworten eingesetzt, so wäre der Notenschnitt mit Sicherheit tiefer ausgefallen. Einige werden die in den Videos vorhandenen Fehler stören. In dieser Form von Lernprodukt versuche ich das Gesamtresultat zu beurteilen und nicht jedes inhaltliche Detail. Dies wird einem konstruktivistischen Ansatz des Lernens gerecht und ermöglicht es mir, auf die Lernerfolge zu konzentrieren. Dass sich beim Lernen eines solch komplexen Themas auch Fehlüberlegungen einschleichen, lässt sich wohl nie ganz verhindern.

Das Video haben die Schülerinnen und Schüler aus organisatorischen Gründen zu Hause aufgenommen. Die Mithilfe der Eltern war vereinzelt erkennbar. Ob dies nun als verboten und zu verurteilen oder als erwünscht und begrüssenswert einzustufen ist, bin ich für mich noch zu keinem Urteil gelangt. Dem Kampf der Chancengleichheit werde ich mich ein anderes mal stellen, bis dahin möchte ich auf solche Erfahrungen aber keinesfalls verzichten.

Sehr anspruchsvoll empfinde ich das Entwerfen von gut anwendbaren und fairen Kompetenzrastern. Verbesserungsvorschläge oder Links zu guten Beispielen sind als Kommentar oder E-Mail sehr willkommen!

Weitere Lernprodukte

Vernetztes Denken und Darstellen liegt nicht allen Lernenden. Deshalb war dies nur eines von mehreren Lernprodukten – eine von mehreren Prüfungen in diesem Thema. Insgesamt habe ich folgende Lernprodukte eingesetzt:

  • Pöstergeografie (geprüft mit Socrative): Auswendig lernen und wiedergeben
  • Lernjobs zu den fünf Kernthemen: Fleiss und Hartnäckigkeit
  • Advanced Organzier: Vernetztes Denken und Zusammenhänge darstellen
  • Titelblatt einer Zeitung mit echten und „fake“ News: Arbeiten im Team

 

Fazit

Digitale Medien haben es mir ermöglicht, dieses Interessante Thema abwechslungsreich zu gestalten und verschiedenste Lernprodukte für die unterschiedlichen Neigungen und Talente der Schülerinnen und Schüler anzubieten. Die Video-Präsentation war eine tolle Erfahrung, die ich nur weiterempfehlen kann. Dieses Beispiel zeigt gut, dass klassische Arbeitsweisen und digitale Medien sich ausgezeichnet ergänzen können und dies auch tun sollten. Und ich bin mir sicher, dass das eine oder andere in den Köpfen der Lernenden hängen geblieben ist!

3 Kommentare

  1. Wow – ganz coole Idee!

    Die vielseitige Kombination von Papier, Handy und Prezzi finde ich sehr gelungen, da die SuS so selber eine Darstellungsform wählen können, die für sie erfolgsversprechend ist. Die Sichtung und Beurteilung der Videos dauert seine Zeit – bei 3-4 min Film und 25 SuS wirst du wohl über 2h investiert haben. Es muss ja nicht jedes Mal einen Lehrerfeedback geben. Warum den SuS nicht eine Lektion Zeit geben, die Werke der anderen anzuschauen und zu kommentieren – mit 1-2 vorgegebenen Pflichtfilmen, damit alle am Schluss ein Feedback erhalten.

    Werde in nächster Zeit bestimmt mehr Zeit auf deiner hochspannenden Seite verweilen und den Link unter meine Studis streuen.

    Grosses Kompliment!

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    1. Danke für das Kompliment und deine Tipps!

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  2. Raphael Wunderlin · · Antwort

    Wunderbare Verknüpfung zwischen Land – Themen – Neuen Medien.
    Gratulation und weiter so….

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