Sinn und Unsinn digitaler Lernkontrollen

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Die PISA-Studie 2016 hat in der Schweiz offenbar einen Schock ausgelöst. So schrieb die NZZ:

In allen Fächern tiefer als 2012

In Mathematik verlor sie (die Schweiz) 10 Punkte, in den Naturwissenschaften 9 und im Lesen gar 17 Punkte. Damit fällt sie noch unter das Niveau von 2009 zurück, als die Resultate einen eigentlichen «Pisa-Schock» ausgelöst hatten.

Eine mögliche Ursache war schnell gefunden:

Für die EDK und das WBF ist «nicht abschliessend geklärt», inwieweit ein Vergleich möglich ist zwischen den Ergebnissen von Pisa 2000 bis Pisa 2012, die auf Papier gelöst wurden, und Pisa 2015 am Computer. Der Wechsel stelle eine einschneidende Veränderung dar.

Falls ein Zusammenhang besteht, wäre dies für die Schweiz ein noch beunruhigenderes Resultat. Bereiten wir unsere Schüler denn ungenügend auf ihre digitale Zukunft vor? 

Egal wie man die Frage beantwortet, eine Tatsache bleibt: immer öfters wird das Wissen der Schüler am Computer überprüft. Stellwerk Test, Basic- und Multicheck sowie nun auch die PISA-Studie sind die prominentesten Vertreter. Es ist also durchaus sinnvoll, die Schülerinnen und Schüler auf digitale Prüfungen vorzubereiten.

Kompetenzorientierung

Kompetenzen können ganz klar nicht mit einem Multiple Choice Test überprüft werden. Die Grundlage für den Aufbau von Kompetenzen ist jedoch immer Fachwissen. Dieses Fachwissen wird vom Lehrplan und vor allem uns Lehrpersonen festgelegt. Und besonders in offenen Lernformen und im Rahmen der zunehmend geforderten Differenzierung sind die Lernenden darauf angewiesen, dass sie immer wieder eine Rückmeldung erhalten, ob sie sich die fachlichen Grundlagen ausreichend aneignen konnten. Dafür sind digitale Lernkontrollen durchaus sinnvoll. Gratis dazu gibt es noch Training in der Kompetenz digitale Lernkontrollen abzulegen. Vielleicht klappt es so besser bei der nächsten PISA-Studie.

Die Tools

Es gibt unzählige Test- und Quiz-Tools im Internet. Viele habe ich mir angeschaut, eine wirklich überzeugende Lösung habe ich bisher noch nicht gefunden. Trotzdem gibt es Tools, die man gut im Unterricht einsetzen kann. Dies sind aktuell Socrative und Google Forms. Beide haben ihre Stärken, aber auch bedeutende Schwächen und Mängel.

Socrative

Socrative.com lässt sich kostenlos nutzen, eine Pro-Version mit besseren Funktionen gibt es für 30 Dollar pro Jahr. Ein Quiz besteht aus Fragen, die sich beliebig aus folgenden Fragetypen zusammensetzen lassen:
socrative questions.png

Für ein Quiz gibt es verschiedene Durchführungsarten, unter anderem auch ein Space Race. Dieses funktioniert ähnlich wie ein Wandtafelfussball und ist besonders in Gruppen für die Lernenden sehr spannend.

Socrative Features.gifQuelle: https://www.socrative.com/pricing.html 

Wermutstropfen: In den Antworten können keine Bilder verwendet werden und der Text kann nicht formatiert werden. Besonders für mathematische Lernkontrollen ist das nicht ideal. Auch sind die Fragetypen etwas sehr eingeschränkt und die Deutsche Übersetzung ist eine Katastrophe.

Fazit: Das Positive überwiegt für mich klar. Socrative ist für Lernende und Lehrpersonen einfach zu bedienen und verfügt über viele gute Funktionen. Die übersichtliche Zusammenfassung lässt einem direkt im Unterricht auf Schwächen eingehen und die PDF-Exporte kann man drucken oder digital den Lernenden zur Verfügung stellen. Bis ich etwas Besseres gefunden habe, ist Socrative meine bevorzugte Wahl im Unterricht.

Google Forms

Google Forms.pngGoogle Forms aus der Sammlung von Google (G Suite for Education) wurde ursprünglich für Umfragen entwickelt. Nun ist es auch möglich, ein Quiz damit einzurichten. Aktuell lassen sich nur Multiple Choice Fragen automatisch prüfen. Dafür kann Google Forms Bilder bei Antworten verwenden und die Auswertungen sind toll.

ProProfs

ProProfs.pngProProf.com bietet unglaublich viele Fragetypen und Einstellungen. Auf den ersten Blick sieht es aus wie die Antwort all meine Wünsche. Auf den zweiten Blick wirkt das ganze doch sehr unausgereift. Es fehlen sinnvolle Exportmöglichkeiten, die Bedienung ist eher kompliziert und die Darstellung wirkt 15 Jahre alt. Schade, aber vielleicht wird mal noch was draus.

Kahoot

play-graphic-updated-4.pngKahoot.com vermarktet sich sehr gut und ist in vielen Schulzimmern anzutreffen. Das sehr schülergerechte Design und der spielerische Einsatz wirkt motivierend. Es gibt jedoch nur einen Fragetyp, das ganze kommt im Stil von „Wer wird Millionär“ daher. Für jede Fragen gibt es vier Antworten, die korrekte gibt Punkte. Für formative Lernkontrollen funktioniert das super, richtige Tests können damit nicht erstellt werden. Es mal auszuprobieren lohnt sich auf jeden Fall!

Das perfekte Tool für digitale Lernkontrollen

Für das perfekte Tool würde ich mir folgendes wünschen:

  • Viele Fragetypen (Multiple Choice, Textantworten, Zuordnungen, Lückentext, Wahr/Falsch, usw.) mit Bildern in Fragen und Antworten
  • Intelligente Fragen & Antworten (z.B. durch Einsatz von Variablen oder Scripting)
  • Community: Fragen mit anderen sharen
  • Zuordnung von Fragen zu einem Lehrmittel (dann funktioniert auch das sharen)
  • Dynamische Zusammenstellung von Tests aus einem Set von Fragen
  • Sinnvolle und vollständige Export- und Druckmöglichkeiten
  • Modernes, schülergerechtes Design, einfach zu bedienen
  • und natürlich: Integration in Google Classroom

Falls jemand ein solches Tool kennt, bitte in die Kommentare schreiben. Oder gleich selbst entwickeln… ich bin sicher, es wird ein Renner!

Und falls ihr jetzt sagt: Ich habe doch gar nicht genügend Computer und will für sowas nicht in den Computerraum… All dieses Tools können ganz einfach per Handy bedient werden.

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